Auf vielfachen Wunsch hin, gibt es eine Zusammenfassung der Bauschritte meines X3- Jetpack aus dem Disney Film "The Rocketeer" von 1991.
Das Rocketeer-Cosplay war eine Herzensangelegenheit, da der Film zum einen in einer Zeit spielt, die mir außergewöhnlich gut gefällt, und zum anderen, weil mir der Film sehr gut gefallen hat. Seit Beginn meiner Cosplay-Karriere wollte ich dieses Cosplay schon immer herstellen.
*The Rocketeer* (international auch als *The Adventures of the Rocketeer* bekannt) ist ein US-amerikanischer Superhelden-Science-Fiction-Abenteuerfilm von 1991, produziert von Walt Disney Pictures und Touchstone Pictures. Der Film wurde von Charles Gordon, Lawrence Gordon und Lloyd Levin produziert, von Joe Johnston inszeniert und hat Billy Campbell, Jennifer Connelly, Alan Arkin, Timothy Dalton, Paul Sorvino und Tiny Ron Taylor in den Hauptrollen. Der Film basiert auf der Comicfigur von Dave Stevens.
Die Handlung spielt 1938 in Los Angeles und erzählt die Geschichte des Stuntpiloten Cliff Secord, der ein verstecktes Raketenpaket entdeckt, mit dem er ohne Flugzeug fliegen kann. Seine Heldentaten erregen die Aufmerksamkeit von Howard Hughes und dem FBI, die nach dem Raketenpaket suchen, sowie von Nazi-Agenten, die es gestohlen haben.
Die Entwicklung des Films begann bereits 1983, als Stevens die Filmrechte verkaufte. Mehrere Regisseure wurden in Erwägung gezogen, bevor Johnston den Posten übernahm. Es gab kreative Differenzen zwischen den Drehbuchautoren und Disney, was zu Verzögerungen führte. Disney wollte auch das Design des Helms ändern, wurde jedoch von Johnston umgestimmt. Die Dreharbeiten dauerten von September 1990 bis Januar 1991, die visuellen Effekte wurden von Industrial Light & Magic erstellt.
Der Film erschien am 21. Juni 1991 und erhielt positive Kritiken, floppte jedoch an den Kinokassen mit einem Einspielergebnis von nur 46 Millionen Dollar bei einem Budget von 35 Millionen. Pläne für Fortsetzungen wurden verworfen, aber eine TV-Serie mit Billy Campbell wurde 2019 auf Disney Junior ausgestrahlt. Eine geplante Spielzeuglinie wurde ebenfalls eingestellt.
Aktuell wird übrigens an einer Fortsetzung gearbeitet.
Start der Arbeiten:
Wie auch bei meinen früheren Arbeiten benötigte ich natürlich passende Zeichnungen und Fotos. Da es bereits einige Nachbauten gibt, war die Quellensuche relativ einfach. Bei der Größe musste ich etwas experimentieren, um herauszufinden, was passen würde, besonders da das Verhältnis zwischen mir und dem Jetpack stimmen sollte.
Schlussendlich brauchte ich im Grunde nur eine ausgedruckte Kopie mit der Draufsicht auf das Jetpack, um es bauen zu können. Das hat den großen Vorteil, dass man nicht ständig die Maße von Fotos umrechnen muss, sondern die Maße direkt von der Kopie abnehmen kann.
Als Grundmaterial für die Rohre entschied ich mich für Abwasserrohre von Geberit mit einem Durchmesser von 16 cm. Geberit ist sehr widerstandsfähig, aber auch viel härter als PVC. Da sowohl die Grundplatte als auch beide Rohre das gesamte Konstrukt zusammenhalten sollten, war es die bessere Wahl als PVC-Rohre.
Die Aussparungen habe ich in diesem Fall mit einer Bandsäge gemacht. Die leichten Überschnitte habe ich danach verspachtelt.
Die Lamellen waren eine etwas andere Sache und auch ziemlich mühsam. Heute würde ich das nicht mehr so machen, da sie einfach sehr empfindlich sind. Die Streifen habe ich auf dem Rohr erwärmt und vorgeformt, damit die Rundungen gut passen. Hier sieht man auch gut die verspachtelten Enden des Ausschnitts.
Eine deutlich aufwendigere Angelegenheit waren die beiden Spitzen der Rohre. Der mir zur Verfügung stehende Drehbank war leider zu klein, um die beiden Spitzen zu drehen, daher mussten sie konstruiert werden. Zuerst berechnete ich die Anzahl der Streifen und deren Breite rund um die Rohre und schnitt diese spitz zu. Für den passenden Radius fertigte ich eine Schablone an, die ich später auch für die Anpassungen nach dem Spachteln verwendete, damit beide Enden die gleiche Rundung aufweisen.
Nach dem Ankleben der Streifen mussten die Zwischenräume verspachtelt werden. Wichtig ist, innen an den Lücken Klebeband anzubringen, da der Spachtel sonst durch die Lücken fällt. Hier verwendete ich, wie immer, 2-Komponenten-Spachtel aus dem Autobedarf, um Karosserien zu reparieren bzw. auszuspachteln.
Danach ging es ans Schleifen. Zuerst mit der Maschine, anschließend von Hand. Mit der Zeit entwickelt man ein gutes Gefühl, wenn man mit den Händen über die verspachtelten Stellen fährt, um zu erkennen, ob sie noch uneben sind oder Vertiefungen haben. In der Regel muss man mehr als einmal spachteln, bis das Ergebnis zufriedenstellend ist.
Nachdem die Spitzen zufriedenstellend bearbeitet waren, ging es an die Details. Ich habe die Spitzen vor der weiteren Verarbeitung einmal grundiert. So kann man zusätzlich kleine Löcher oder Unebenheiten erkennen. Bevor man jedoch neue Teile mit Sekundenkleber anbringt, sollte man die Grundierung an den entsprechenden Stellen wieder entfernen, da der Sekundenkleber nur die Farbe anlöst und darauf sehr schlecht haftet.
Die Muster auf den Spitzen bestehen aus 1 mm starkem PVC aus dem Modellbaubedarf. Mit einem Klebestreifen habe ich die Streifen zuerst auf den jeweiligen Stellen aufgezeichnet und danach auf den 1 mm PVC-Bogen übertragen und ausgeschnitten. So stimmt der Radius perfekt, und die Löcher können noch im flachen Zustand gebohrt werden, bevor der Streifen aufgeklebt wird. Bei 1 mm PVC sollte man nicht zu viel Hitze mit dem Heißluftföhn erzeugen, da das dünne Material sich schnell einrollt und unbrauchbar wird. Außerdem ist bei so dünnem Material generell nicht viel Hitze notwendig, da es sich auch von Hand leicht biegen lässt.
Grundierte Spitze mit den angebrachten Bögen und kleinen Details.
Bevor ich an den Rohren weiterarbeiten konnte, mussten zuerst die beiden Raketenantriebe gebaut werden. Diese bestehen teilweise aus PVC, Karton und Plexiglas.
Die jeweiligen Wülste sind ebenfalls aus PVC, das in Handarbeit als Streifen zunächst stark abgerundet und danach erwärmt und gebogen wurde. Die schwarzen Teile sind ebenfalls aus PVC, allerdings aus schwarzem Material mit einer Dicke von 8 mm. Die Kuppeln bestehen aus PVC-Halbschalen, die so im Baumarkt zu finden sind.
Für diejenigen, die denken, dass ich Stahlflexleitungen verbaut hätte, kann ich beruhigen: Es gibt hier günstigere Varianten. Die Leitungen der Triebwerke bestehen aus Alurohren und Benzinleitungsschutzschläuchen, die es in unterschiedlichen Dicken gibt und sich durch ihre Netzstruktur perfekt an das Material anpassen. Als Endstücke dienten ebenfalls PVC-Röhrchen.
Als Hinweis zum Lackieren: Bei Silberlack immer zuerst schwarz grundieren, da sonst der Silberlack schlecht deckt und der Farbeffekt nicht sichtbar wird.
Mit etwas Blau und Rot habe ich noch die Überhitzung dargestellt und dann war es fertig.
Nach dem Anpassen der beiden Triebwerke und dem Anpassen des unteren Steges bekamen die Triebwerke ihr weathering. Weitere Deatils folgten zu einem späteren Zeitpunkt. Hier sieht man übrigens den erwähnten Plan. Da die beiden Triebwerksrohre noch nicht parallel liegen, hilft das sehr beim Einstellen des passenden Winkels.
Für die weitere Verarbeitung der oberen Teile musste nun eine Grundplatte her, damit die Rohre ihre definitive Position behalten. Zudem wurden die Triebwerksabweiser hergestellt. Die vier montierten Rohre sind, wie alle anderen Einzelteile, nur miteinander verschraubt und nicht verleimt. Das funktioniert mit PVC sehr gut und ist äußerst praktisch, falls es einmal Schäden geben sollte oder, wie in diesem Fall, auch elektronische Elemente verbaut werden.
Die Frontabdeckung des oberen Teils bereitete mir im Vorfeld etwas Kopfzerbrechen, da ich nicht ganz sicher war, ob und wie ich das am besten bauen sollte, da sie in verschiedene Richtungen rund ist und zwei zusätzlich angebrachte Rohre hat. Es ging jedoch einfacher als gedacht. Die Grundform entnahm ich rund 3 mm breiter als im Plan gezeichnet und habe als Erstes den Ausschnitt in der Mitte aufgebohrt und das innere Rohr eingeklebt. Das sollte mir helfen, dass der mittlere Teil stabil bleibt und optisch in der Mitte sitzt.
Das untere Rohr musste zuvor noch ausgeschnitten und anschließend konisch zusammengeklebt werden. Damit sich das ebenfalls nicht wegbewegen sollte, wurde es sogleich angenietet. Der Rest war reine Gefühlsarbeit. Das erwähnte Stück wurde danach Stück für Stück zwischen den beiden Rohren eingepasst. Die leicht rötlichen Stellen sind Reste des Spachtels, da es bei solchen Arbeiten immer mal wieder Unebenheiten gibt durch Eindrücken. Ganz am Schluss bekam das Stück noch einen 7 mm Rand, welcher dann die Niete aufnehmen sollte.
Nach dem Anbringen der Nieten am letztgenannten Stück ging es schon an die letzte Herausforderung. Der obere Teil bestand aus einer Reihe von Kühlrillen, die eingepasst werden mussten. Die angebrachten Nieten am gesamten Jetpack sind übrigens echte Nieten aus Messing, die allesamt einzeln eingebohrt wurden. Das Durchschlagen würde zwar bei PVC gehen, es ist jedoch besser, die Löcher vorzubohren, um eventuelle Schäden zu vermeiden.
Alle Teile nach der letzten Grundierung. Ich verwende immer rötliche Grundierung, da man Unebenheiten und Fehler besser erkennen kann als bei weißer Grundierung.
Wie erwähnt, wurden die Teile danach zuerst schwarz lackiert, auch wenn es hier etwas anders aussieht.
Lackiert und montiert. Zum Schluss gab es noch goldene Spitzen, ein komplett weathering und einpassendes Sound und LED Modul für den passenden Effekt. Erst dann wurde noch das Haanress montiert, damit das Jetpack auch tragbar wurde.
Der Bau des gesamten Jetpacks dauerte rund 2 Monate, wobei ich immer wieder Pausen dazwischen eingelegt hatte. Persönlich bin ich mehr als zufrieden mit dem Ergebnis.
Die Kosten hielten sich mit rund 400,00 CHF für das Jetpack soweit in Grenzen.
Habt ihr fragen oder anregunge, schreibt mir einfach. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
